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Icke, dette, kieke mal…

08 Sep

„Icke, dette, kieke mal – du weest schon, wat ick meene!“
Gibt es noch die Berliner Schnauze, was ist das überhaupt und wer spricht noch so in Berlin?

Als Kind nannte mich meine Mama Fräulein Tonk Tonk mit der Klapperbüchse, wenn ich zu frech war oder etwas nicht machen wollte. Dann sagte sie, ich solle keene Fisemantenten machen und die Gusche halten – dies sind die ersten Assoziationen, die ich habe, wenn ich über den Berliner Dialekt nachdenke, denn es ist mein Dialekt – es ist die Sprache, der freche Singsang mit dem ich großgeworden bin.

Doch was genau ist der Berliner Dialekt? Gibt es überhaupt noch die sogenannte Berliner Schnauze? Und wenn ja, wer spricht Berlinisch und was sind die Besonderheiten?
Jeder geborene Berliner berlinert, und „wenn einer berlinern kann, ist es ein Vergnügen, ihn zu hören“, wie der Sprachwissenschaftler Walther Kiaulehn in seinem „Berliner Duden“ von 1965 feststellte.

Aber „wenn einer berlinern muß, weil er nicht anders kann, ist es meistens grässlich“, setzt er hinten an und verweist damit auf die Abhängigkeit des Dialektes von der Bildung und sozialen Situation des jeweiligen Sprechers. Denn der einfache Arbeiter berlinert „kritiklos und mit allen Unarten. So läuft er meist lebenslang mit dem Stempel seines Stadtteils herum, man hört ihm an, wo er geboren ist.“ Daher ist der Dialekt nicht nur schicht- sondern auch bezirksgebunden und noch heute wird am stärksten in den Arbeiterbezirken, wie Wedding, Friedrichshain und Prenzlauer Berg berlinert.

Laut einer Studie der Sprachwissenschaftler Norbert Dittmar und Peter Schlobinski wird im Ostteil Berlins sogar noch stärker berlinert, was sich darauf zurückführen lässt, dass der Dialekt im Osten nicht so verpönt war, wie dies lange Zeit im Westteil der Stadt der Fall war, eben weil er zu proletarisch war.

Allgemein kann man feststellen, dass die unteren Schichten am stärksten berlinern und dass die junge Mittelschicht sowie die oberen Schichten ein normales Hochdeutsch sprechen mit einem leichten Berliner Akzent. Sie berlinern gewählt, wenn sie unter sich, privat sind, auch um eine gewisse Art von Humor zu pflegen, die von Ironie und starker Übertreibung geprägt ist.

Inzwischen gibt es sogar den Trend, dass Berlinern angesagt ist. So wie die Hauptstadt gerade extrem hip ist und Leute aus ganz Deutschland anzieht, so ist auch ihre Sprache in und viele Nicht-Berliner finden den Dialekt niedlich, cool oder einfach nur witzig. Die Berliner selbst denken entweder nicht über ihren Dialekt nach oder finden ihn eher vulgär und abstoßend. Ein paar wenige sehen ihn als Identifikationsmarke und sind stolz auf ihn. So gibt es zum Beispiel in dem Internetportal studivz, facebook und Co – Gruppen dieser ‚Patrioten’, die sich „Icke, icke bin Berlina! Wer mir haut, den hau ick wieda!“ oder ,berlinisch‚ nennen und einfach nur Berliner Sprüche sammeln.

Wie sieht er nun aus dieser Dialekt? „Alle Berliner werden mit einem Fehler geboren“, schreibt Kiaulehn. Denn „sie stoßen mit der Zunge an“, sie lispeln. Auch mit der Grammatik hapert es: Der Genitiv fehlt, dafür gibt es aber einen eigenen Fall – den Akkudativ, der nur mir, dir und wem kennt und den Akkusativ stets mit dem Dativ ersetzt. Dieses Phänomen tritt aber nur noch bei den starken Dialektsprechern auf, genauso wie das semantisch leere, nur zur Verstärkung dienende Wort urst.

Charakteristisch ist, dass aus zwei zwee wird, aus gehen jehen, aus sag’ mal sach’ mal, dass ich zu ick wird und die Endkonsonanten regelmäßig vernuschelt werden. In dem Spruch: Icke, dette, kieke mal, Oogen, Fleesch un Beene. Icke, dette, kieke mal, du weest schon, wat ick meene sind fast alle diese typischen Merkmale versammelt.

Des weiteren gibt es ein paar einzigartige Wörter, die mich als Berliner gerade im Süden des Landes quasi zum Ausländer machen: Wenn ich hier am Sonnabend morgen zum Bäcker ginge, um Schrippen zu holen oder Viertel zwölf eine Stulle essen wollen würde, müsste ich wohl aufgrund von sprachlichen Hindernissen verhungern. Ein Glück, dass die Berliner Jöre nich mit’m Klammerbeutel jepudert is und wees, dass man Weckle auch verdauen kann.

Berlin – Du bist so wunderbar

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Verfasst von - September 8, 2010 in Dies und das

 

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